Unser Forschungsprojekt

Unser Pilotprojekt

1. Projektaufbau

Das Forschungsprojekt ist ein wissenschaftliches Kooperationsprojekt unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus, Professor für Energiefragen der Immobilienwirtschaft an der EBZ Business School – University of Applied Sciences mit Unterstützung von Prof. Dr.-Ing. Clemens Felsmann, Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der Technischen Universität Dresden. Es gliedert sich in insgesamt drei Bereiche:



In bis zu 500 Gebäuden werden die Kosten bereits umgesetzter Maßnahmen für Energieeffizienz und der Rückgang des Wärmeverbrauchs untersucht. Das umfasst technische Maßnahmen an Wärmeerzeugungsanlage, Wärmeverteilung oder Nutzerverhalten ebenso wie Dämmung, Fenstertausch oder den Austausch der Heizungsanlage.


Projektzeitraum: Herbst 2016 bis Sommer 2017.

Die untersuchten Gebäude sind deutschlandweit verteilt und haben im Schnitt zehn Wohnungen. Damit entsprechen sie dem durchschnittlichen Mehrfamilienhaus. Beim praktischen Pilotversuch gibt es neben den Wohnungen und Häusern mit eingebauten technischen Maßnahmen auch sogenannte „Referenzgebäude und –wohnungen“. Auch in ihnen wird die Verbrauchsentwicklung beobachtet, um aus dem Unterschied sicher Rückschlüsse auf die Wirkung der untersuchten Technologien zu bekommen.

2. Untersuchte technische Maßnahmen

Hier werden die einzelnen technischen Maßnahmen vorgestellt, die für eine bessere Wärmeverteilung und sparsameres Verbrauchs- und Lüftungsverhalten sorgen sollen und im praktischen Pilotversuch erforscht werden. Die meisten Menschen kennen einige dieser Lösungen, wie genau sie funktionieren ist jedoch wenig bekannt. Wichtig ist: Sie sind einfach umsetzbar und zu bedienen. Und sie sorgen für ein Mehr an Komfort und für ein besseres Wohnraumklima.

Beim „hydraulischen Abgleich“ wird das warme Wasser im Heizungssystem genauso verteilt, wie es für die gleichmäßige Erwärmung aller Räume notwendig ist. Ohne diesen Abgleich variiert der Druck an den einzelnen Entnahmestellen und die Wärme wird ungleichmäßig auf die Heizkörper in den einzelnen Wohnungen verteilt. Einige Heizkörper werden dann nicht warm, obwohl die Heizung voll aufgedreht ist. Andere werden zu heiß, obwohl die Bewohner nicht oder nur wenig heizen wollen.
Das Ergebnis: Die Bewohner können die Temperatur nicht richtig regulieren, der Heizkessel muss auf eine höhere Temperatur aufheizen und damit mehr leisten als nötig, um alle Wohnungen warm zu bekommen. Dadurch wird viel Energie verschwendet. Außerdem neigen Heizkörper in einem nicht abgeglichen System zu störenden Geräuschen („Gluckern“).

Im Pilotprojekt werden zwei Maßnahmen zum hydraulischen Abgleich untersucht:

  1. „Strangregulierventile“, die den Druck an den Heizungsrohren im Heizungskeller für mehrere Heizkörper gleichzeitig angleichen.
  2. „Dynamische Heizkörperventile“, die an jedem Heizkörper hinter dem Thermostatkopf angebracht werden und so jeden einzelnen Heizkörper mit dem optimalen Druck versorgen. Sie reagieren auch, wenn sich der Druck in den Rohleitungen ändert – etwa wenn in einer der Wohnungen alle Heizkörper ganz ausgestellt werden.

Im Rahmen des Pilotversuch werden „Dynamischen Ventile“ als einzelne Maßnahme oder in Verbindung mit „Smarten Thermostaten“ untersucht.

3. Projektergebnisse

(Zwischenstand: Juni 2018)

Seit Projektbeginn im Herbst 2016 wurden im Rahmen des wissenschaftlich begleiteten, fundierten Praxistest über 13 Milliarden Datensätze aus deutschlandweit mehr als 700 Wohnungen anonym ausgewertet. Sie liefern erste Aussagen dazu, wie möglichst geringinvestive Maßnahmen einen Beitrag zur Energiewende leisten können.
Dabei wurden in Wohnungen und Immobilien verschiedene technische Maßnahmen für Energieeffizienz auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis hin untersucht, teils auf Basis von reinen Datenanalysen, teils in der praktischen Anwendung durch die Bewohner. Im Ergebnis können technische Assistenzsysteme das Verhalten der Nutzer beeinflussen und dadurch den Verbrauch optimieren. Eine Optimierung der Hydraulik im Wärmeverteilsystem führte im Schnitt ebenfalls zu einem Verbrauchsrückgang. Die Kombination aus beiden Ansätzen zeigte sich als besonders vielversprechend.

Zeitgleich zeigen die Ergebnisse die komplexen Zusammenhänge in Wärmesystemen von Mehrfamilienhäusern. Eine große Rolle spielen dabei die Einstellung der Heizungsanlagen und der Abgleich des hydraulischen Systems zur Heizkörperversorgung sowie das Verhalten der Bewohner, die die Heizkörper bedienen. Die untersuchten technischen Maßnahmen sind dabei diversen, auch wechselseitigen Einflussfaktoren ausgesetzt. Diese können in der Praxis einen nennenswerten Einfluss auf den Erfolg der einzelnen Maßnahmen haben und werden darum im weiteren Verlauf des Projektes detaillierter untersucht.

Für eine abschließende Bewertung der untersuchten Technologien, auch im Zusammenspiel der wechselseitigen Einflussfaktoren, wurde das Forschungsvorhaben darum um eine weitere Heizperiode verlängert.